Touptek Hope D60

 

Das Teleskop Hope D60 ist ein apochromatisch korrigiertes Teleskop mit Bildfeldebnung für Astrofotografie. Das optische Design entspricht einem modifizierten Petzval Objektiv, das durch die Einführung einer bildseitigen Ebnungsoptik ein praktisch ebenes und korrigiertes Bildfeld erzeugt.

Die Brennweite des Teleskopes ist 280mm, die Öffnungszahl ist 1:4,66, der bildseitige Abstand zum Sensor kann laut Herstellerangabe zwischen 50 und 58mm liegen. Ich habe aber immer versucht, im engen Mittelfeld dieses Bereichs zu bleiben – also zwischen 54 und 56mm.

 

Touptek Hope D60

Touptek Hope D60

 

Die Mechanik

Die Mechanik ist sehr solide, erscheint mir als robust und widerstandsfähig. Man findet praktisch keine Kunststoffe, alles, was man sieht oder angreifen kann, ist aus Aluminium. Die Fertigungsqualität ist sehr gut, nicht wackelt oder fühlt sich locker an. Durch die praktisch ausschließliche Verwendung von Metallkomponenten ist das Teleskop recht gewichtig.

Die angebrachten Teile zur Montage von Steuerelektronik, Guiding Kamera, etc. sind solide gefertigt, passen sehr genau und haben keine proprietären Aufnahmen.

Ein Autofokusmotor kann in einer sehr einfachen und üblichen Art und Weise an den Grobtrieb der Fokussierung angebracht werden – auf der Unterseite des Fokussystems sind die entsprechenden Gewindebohrungen dafür passend vorgesehen.

      

ZWO EAF am Hope D60

 

Der Fokus ist feingängig, nicht zu leicht beweglich und bleibt in der eingestellten Position, auch wenn das Teleskop senkrecht gestellt wird. Es gibt eine Fokusskala, die den Fokussierbereich von 30mm anzeigt. Dieser ist zwar deutlich geringer als bei vielen vergleichbaren Teleskopen, ist aber in der Praxis durchaus ausreichend. Allerdings werden bei Einhaltung des empfohlenen Abstandes zum Bildsensor nur wenige Millimeter des 30mm Bereichs verwendet.

Die Tauschutzblende ist eingebaut und kann zur Endposition ausgezogen werden. Dieses Ausziehen ist etwas schwergängig. In der Endposition halten interne Magneten die Blende, sodass auch diese bei Vertikalposition des Teleskops in der Endposition bleibt. Die Objektivschutzkappe ist auch aus Metall und muss in die Tauschutzkappe eingeschraubt werden – etwas mühsamer als nur aufsetzen, aber dafür ist ein sicherer Sitz gewährleistet.

Die Klammerhalterung des Optiktubus ist sehr massiv und hält die recht schwere Optik- Kamera Kombination verlässlich und fest. Die Balance allerdings ist etwas außerhalb des werkseitig eingestellten Mittenbereichs, sie lässt sich aber durch Verschieben der Klammer relativ leicht herstellen. An der Klammerhalterung befinden sich an der Oberseite eine Aufnahmeschiene für Zubehör, eine Schiene, die auch gut als Handgriff verwendet werden kann. Allerdings ist er in der werkseitigen Position (nach vorne gerichtet) oft nicht im Gleichgewicht mit dem betriebsfertig montierten System – um das zu erreichen – der Schwerpunkt liegt bei der Verwendung einer gekühlten großen Vollformat- Astrokamera hinter dem Mittenbereich des Griffs, kann man diesen Handgriff um 180Grad versetzt anbringen und so eine gute Balance erreichen.

An der Unterseite der Klammerhalterung befindet sich die Anbringung der Vixenschiene für die Montage auf der Montierung. Diese Anbringung erfolgt durch 4 Inbusschrauben, die zwar eine sehr solide Montierung sichern, aber jede Änderung der Schienenlage erfordert ein Abschrauben der 4 Schrauben – es gibt nur vorgegebene Lochpositionen, man kann also die Vixenschiene nicht stufenlos verschieben. Meiner Meinung nach etwas umständlich, aber machbar.  Zusätzlich befindet sich an der Klammerhalterung selbst ein Fotostativgewinde, so kann man die Optik als Teleobjekt direkt auf ein Fotostativ anschrauben.

Der Anschluss einer Kamera erfolgt durch ein M48x0.75 Gewinde an den rückseitigen Kameraflansch. Es gibt für die Version, die ich hatte, keinen M54x0.75 Gewindeanschluss (vielleicht noch nicht?) – die Version mit dem Tilt-Korrektur Rückteil ist anders aufgebaut als die Version, die man zurzeit auf allen Webseiten und bei allen Händlerseiten sehen kann – auch auf der Webseite von Touptek ist nur die Version mit dem nichtjustierbaren Rückteil zu sehen und nicht diejenige, die 4 Tilt-Korrekturmechanismen eingebaut hat.  Der M48x0.75 Adapter hat einen verborgenen Vorteil – an der Innenseite, die zur Optik hinweist, ist ein Anschlussgewinde für M48 Filter – damit kann man ohne einen zusätzlichen Filterhalter einbauen zu müssen, ein Filter, zB ein Kontrastfilter einschrauben.

 Dieses Rückteil hat, wie erwähnt, vier justierbare Mechanismen, die mit Druck- und Zugschrauben eine geringfügige Neigung bzw. einen Neigungsausgleich ermöglichen. Der Korrekturbereich dürfte etwa 0,5mm betragen, die Richtung ist mit + und – Zeichen angegeben. Warum es vier Mechanismen sind und nicht wie üblich drei – man kann damit wahrscheinlich das rechteckige Bildformat einer Kamera – so diese entsprechend den Mechanismen orientiert ist, zielgerichteter korrigieren als mit den üblichen drei Punkten.

 Ein weiterer Pluspunkt ist eine 360Grad Skala mit Orientierungspfeil, durch diese kann man nach einer einmaligen Messung der astronomischen Orientierung der Kamera diese gezielt auf das Motiv optimal ausrichten.  Es gibt weiter in Richtung der Optik noch eine zweite 360Grad Skala, die ist fix und dürfte für den nicht justierbaren Rückteil sein, um diesen auch – da anders gebaut – entsprechend kontrolliert drehen zu können.

 

Die Optik

Die Optik ist, wie bereits erwähnt, ein modifiziertes Petzval Objektiv. Es sind mehrere Spezialgläser verbaut und alle Oberflächen haben einer offenbar sehr wirksame Vergütung.  Was besonders beachtenswert ist, ist die sehr geringe Vignettierung der Optik bei größeren Bildfeldern. Beim APS-Format ist die Vignettierung kaum messbar, sie bewegt sich im niedrigen einstelligen Bereich und bei Vollformat ist die Vignettierung auch sehr gering – etwa 10-12%. Das ist im Vergleich zu anderen Teleskopen ähnlicher Brennweite und Lichtstärke deutlich geringer und macht den Einsatz von Flats einfacher und oft nicht wirklich notwendig. Moderne Bildfeldebnungsprogramme rechnen diese geringe Vignettierung problemlos heraus ohne bildwichtige Details zu verlieren.

Die Abbildungsqualität ist wohl die wichtigste Eigenschaft eines optischen Teleskops – hier ist erst einmal die axiale Abbildung zu betrachten. Axial ist die Abbildungsqualität exzellent – bei einer Einzelbelichtung mit einem 61PMPx Sensor kann man noch Sterne klar identifizieren, die kaum größer als ein Pixel sind. Farbrestfehler sind nicht zu bemerken und so kann man von einem Voll-Apo sprechen.  Die außeraxiale Abbildungsqualität ist bis zu einem Bildradius von etwa 14mm durchaus sehr gut, wobei man an den Ecken bereits eine leichte Verformung punktförmiger Sterne erkennen kann. Farblich sind aber die Ecken noch sauber und rein.  Wenn man allerdings auf das klassische Vollformat ausweitet, so lässt die Abbildungsqualität sichtbar nach.

Ich möchte aber darauf hinweisen, diese Beobachtungen beziehen sich ausschließlich auf das eine Teleskop, das ist getestet habe und erheben keinen Anspruch für die Serie gültig zu sein.

Die Bildqualität im Vollformat (QHY600M und QHY600C) ist in den Ecken deutlich schlechter als in den mittleren Bereichen – bei dem von mir getesteten Teleskop gab es in zwei Ecken leicht sichtbares Rest-Koma und Astigmatismus zusätzlich zu der in allen Ecken vorhandenen Verzeichnung der punktförmigen Sterne.  Dabei habe ich mich ziemlich genau an den als optimal angegebenen Bildsensorabstand von 55mm gehalten. Es wird zwar ein Spielraum von 50-58mm als Sensorabstand angegeben, aber die 55mm werden als optimal bezeichnet.  Positiv zu vermerken ist die bereits erwähnte sehr geringe Vignettierung bei Vollformat.

Ich habe versucht, mit gängigen Korrekturalgorithmen diese Abbildungsmängel zu kaschieren und kann sagen, es funktioniert sehr gut. Mit den BlurXterminator in PixInsight, wenn man nur korrigiert, gehen die festgestellten und beobachteten Mängel komplett weg und man erhält ein praktisch fehlerfreies Sternenbild – bis auf die Bereiche, wo man Rest-Koma und Astigmatismus auch nach der Korrektur noch erkennen kann.  Wo kann das eine Auswirkung haben – zum Beispiel bei Mosaikaufnahmen. Wenn man da nicht ausreichend Überlappung der einzelnen Teilbereiche vorsieht, so wird ziemlich wahrscheinlich der Übergangsbereich zweier Teilbilder durch örtlich geringere Sternabbildungsqualität erkennbar sein. Ich schätze, man könnte mit 20-25% Überlappung dieses Problem vermeiden. Wenn man aber statt einer 61MPx Astrokamera eine der üblichen DSLR verwendet, so ist die Bildqualität in den Bildecken von Vollformat durch die viel größeren Pixel wenig stark beeinträchtigt.  Ich habe zwei verschiedene DSLR-Kameras verwendet – einmal eine Canon 5DMkIII mit 6,25y Pixel. Auch hier sind in den Ecken noch leichte Qualitätsminderungen erkennbar, aber natürlich nicht mehr so deutlich wie bei der von mir verwendeten QHY600M und QHY600C. Die Canon RPa mit ihren 5,75y Pixel zeigt auch die leicht verminderte Eckenqualität, aber auch bei diesen beiden Kameras können die gestackten Daten sehr gut durch entsprechende Korrekturalgorithmen bereinigt werden.

Es ist sicher sinnvoll, die Abbildungsqualität in Relation zum Preis des Teleskops zu setzen und auch im Licht vergleichbarer anderer Teleskope mit ähnlichen optischen Daten zu betrachten.  Der Preis von etwas unter oder über 1000 Euro ist sehr attraktiv, wenn man die Summe aller Eigenschaften ins Kalkül zieht – die mechanische Qualität, die geringe Vignettierung und die Abbildungsqualität.  Andere Marken haben möglicherweise eine bessere Abbildungsqualität in den Ecken von Vollformat, dafür aber eine viel stärkere Vignettierung, welche die Verwendung von Flats unabdingbar macht und auch die Gefahr ins sich birgt, dass durch die starke Vignettierung viele kontrastärmere Details in den Eckenbereichen durch das Anwenden der Flats eliminiert werden. Eine andere Marke, die als besonders hochwertig gilt und daher auch sehr teuer ist, zeigt zwar bei APS-Format eine perfekte Abbildungsqualität, aber bei Vollformat sind die Eckenbereiche so schlecht, dass man sie kaum korrigieren kann.


 

Im Folgenden sind die Bilder/Screenshots zu finden, die im Laufe dieses Tests gemacht wurden

 

  1. Abbildung mit ASI2600MC – APS-Format

 

Die Screenshots zeigen das zusammengerechnete Summenbild von 236x120“ Einzelaufnahmen – keine weiteren Korrekturen verwendet.

 Linke obere Ecke:

 

 

Rechte obere Ecke:

 

Linke untere Ecke:

 

 

Rechte untere Ecke:

 

Mit dem BlurXterminator als Korrektor können diese Sternverzeichnungen praktisch komplett ausgeglichen werden – eine sehr sinnvolle Option.

 

Der Tilt des Summenbildes ohne weitere Korrekturen ist zwar nicht minimal, aber noch als „mild“ eingestuft und daher in der weiteren Verarbeitung gut korrigierbar.


  1. Abbildung mit der QHY600M mit Luminanz Filter- Vollformat 61MPx

Die Screenshots zeigen das unkorrigierte Einzelbild

Linke obere Ecke:

Rechte obere Ecke:

Linke untere Ecke:

Rechte untere Ecke:

Diese Sternabbildungsfehler können mit dem BXT nicht mehr komplett ausgeglichen werden, es bleiben sichtbare leichte Deformationen erhalten.

Der Tilt der Summenaufnahme – wie vorher, also ohne weitere Verarbeitung ist auch noch als „mild“ eingestuft

 

 

  1. Abbildung mit der QHY600C mit Luminanzfilter – Vollformat 61MPx

Links wieder das unkorrigierte Bild, rechts das durch den BXT korrigierte Ergebnis

 

Linke obere Ecke:

 

Rechte obere Ecke:

 

 

Linke untere Ecke:

 

 

Rechte untere Ecke:

 

Die Sternabbildungsfehler können durch den BXT recht gut korrigiert werden, wobei die Form besser aussieht als die Farbe – es bleiben bei 1:1 leicht sichtbare Farbrestfehler

Der Tilt bei der QHY600C Kamera ist ohne weitere Verarbeitung als „moderate“ ausgewiesen worden – möglicherweise ist der Sensor in der Kamera nicht optimal horizontal zum Anschluss an das Teleskop orientiert.


  1. Abbildung mit der Canon 5DMkIII -klassische DSLR

Durch die deutlich größere Pixelgröße ist eine Verringerung der Sichtbarkeit der Abbildungsfehler der Sterne in den Bildecken von Vollformat zu erwarten gewesen. Die Screenshots zeigen nur die unkorrigierten Bilder

Linke obere Ecke:


 Rechte obere Ecke:


Linke untere Ecke: 

 

Rechte untere Ecke: 

 


Die sichtbaren Sternabbildungsfehler können recht gut mit dem BXT korrigiert werden. Es bleibt jedoch eine bei 1:1 sichtbare Restverzeichung erhalten. Als Beispiel hier die rechte untere Ecke, durch den BlurXterminator korrigiert:

Rechte untere Ecke / BXT Korrektur:



  1. Abbildung mit der Canon RPa – spiegellose Digitalkamera – Vollformat

 

Linke obere Ecke: 


Rechte obere Ecke: 

 

Linke untere Ecke: 

 

 

 

Rechte untere Ecke: 

 


Es erscheint mir wichtig zu erwähnen, dass alle Aufnahmen nach einer entsprechenden Optimierung der Bildlage durch den im Teleskop eingebauten Tiltkorrektor gemacht wurden.

Als Maß für eine Optimierung diente ein Verzeichnungstest in ASTAP. Dieser ergab aber, dass in keiner justierbaren Position und mit keiner einzigen getesteten Kamera die Verzeichnung besser als „mild“ eingestellt werden konnte.  Interessant war auch der Umstand, dass sich die Stärke des Tilts von Rohbild zu Rohbild unterschiedlich gezeigt hat – man kann also durch entsprechende Auswahl eines Rohbildes einen geringen Tilt oder einen hohen Tilt vorweisen – die Ursache bedarf noch einer Erklärung.

Auch bei den beiden getesteten Canon Kameras war es nicht möglich, die Verzeichnung besser=geringer einstellen zu können. Ein komplette Eliminierung des Tilts war mit keiner der 5 getesteten Kameras möglich.

Was aber für mich erstaunlich war, ist der Umstand, dass auch sowohl ein Restfarbfehler, als auch ein geringes, aber sichtbares Koma und etwas Astigmatismus in zumindest einer der vier Ecken erkennbar war.

Hier ein Screenshot bei 300% Nachvergrößerung der rechten oberen Ecke, aufgenommen mit der QHY600C.

 Man erkennt die sag/mer Abbildungsfehler – und auch die Farbrestfehler


 

Es sind alles zusammen zwar geringfügige Restfehler, die man aber bei 200-300% Nachvergrößerung noch gut erkennen kann.


Zusammengefasst ist das Hope D60 (dieses eine, welches ist als Testgerät hatte) ein mechanisch sehr stabiles und solides Teleskop, optisch ist es weniger gut als es die Werbung und das Produktmarketing suggeriert - aber: Diese Aussage ist, wie bereits erwähnt, basierend auf das eine Gerät, das ich als Seriengerät zum Test erhalten habe und ohne weitere Stichprobentests keine allgemein gültige Aussage!


Positiv zu bemerken sind die geringe Vignettierung, die gute Reproduzierbarkeit aller Einstellungsmöglichkeiten und die erwähnte solide Verarbeitung.  Dämpfend für den positiven Gesamteindruck ist die verbesserungsfähige optische Qualität – APS-Format ist recht gut, Vollformat ist nur eingeschränkt empfehlenswert.

 

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