TS Optics APO126PHQ
Ein apochromatisch korrigierter Flatfield Refraktor, 882mm Brennweite, Lichtstärke 1:7. Er kann mit einem speziell für diesen Refraktor gerechneten 0,8x Reducer ergänzt werden, wobei dann die Brennweite auf 705mm sinkt und die Lichtstärke auf 1:5,6 steigt.
Die native Brennweite ist für Vollformat korrigiert, die reduzierte Brennweite für APS Format.
Soweit die geschriebenen technischen Angaben – wie sieht es aber in der Wirklichkeit aus?
Die Mechanik ist solide, massiv und alle Triebe und Funktionen sind gut gängig – nicht zu leicht und nicht zu streng. Der Fokustrieb ist auf einer Seite mit einem zusätzllichen Feintrieb ausgestattet – beide Triebe sind gut gängig und nicht so streng wie bei vergleichbaren Refraktoren – ein Umstand, der den Betrieb von AF Motoren sicher macht.
Was die Anbringung eines AF Motors betrifft, habe ich festgestellt, dass der ZWO EAF sich sehr einfach montieren lässt, manche andere aber etwas Problem haben dürften, da der Abstand der Drehachse von der Unterkante der Aufnahmefläche für die AF Motor Halterung etwas größer ist als bei anderen Refraktoren.
Auch ist der Außendurchmesser auf der Seite Grob/Feintrieb – die man ja beide abmontieren muss, um zB einen SestoSenso anbringen zu können, deutlich größer als bei vielen anderen Fokussystemen – sie beträgt 33mm. Das bedeutet, dass man zwar den neuen SestoSenso 3 montieren kann (der hat im Lieferumfang auch eine 33mm Adaption), nicht aber die vorherigen Modelle, denn für diese gibt es keine 33mm Montagehilfe.
Die einschieb/ausschiebbare Taukappe ist sehr umfangreich, lässt sich gut bewegen und ist fest genug montiert um sich nicht bei vertikaler Teleskopposition von selbst einzuschieben. Das sich das mit der Zeit ändern kann, gibt es am inneren Ende der Kappe drei Inbusschrauben, mit denen man die Verschiebesteifheit verändern kann.
Was ich nicht wirklich verstehen kann, ist der Umstand, dass ein hochwertiger und schon recht langbrennweiter Refraktor mit einer Vixenschiene als Montageauflage geliefert wird. Sie ist zwar relativ lang, aber meiner Meinung nach gehört auf so ein Teleskop eine ordentlich lange Losmandy Schiene.
Auf der Oberseite der beiden stabilen Teleskopklemmen ist eine Schiene, die eine Mehrfachfunktion hat – die eine ist, es ist ein Tragegriff, was sehr praktisch ist. Die andere ist, sie dient als Aufnahmeschiene für Zubehör – zB ein Guidingteleskop. Aufder Seite ist eine weitere Aufnahmemöglichkeit, die man zB für eine Ministeuerung wie etwa eine ASI Air oder ein StellaVita verwenden kann. Man kann es auch umgekehrt machen – wie ich es gemacht habe – der SteuerungsPC oben auf. Allerdings habe dazu auch oben die etwas schmale und kleine Schiene durch eine stärkere ersetzt, damit ich meinen SteuerungsPC, einen Eagle 4S sicher montieren konnte. Auf dem Eagle ist die Guidingeinrichtung fix montiert und die seitliche kleine Aufnahme wird für den Ecco, die Tausteuerung des Eagle verwendet.
Die Optik – die sicher wichtigste Komponente eines Teleskops: Die Optik ist fix im Tubus eingebaut, in Summe ein Quadruplet mit zwei Sondergläsern. Fix eingebaut bedeutet, es ist ein Flatfieldteleskop – also scharfstellen und das war´s auch schon. Keine Abstandsuche.
Allerdings – verwendet man den 0,8x Reducer, dann muss man wieder die von diesem verlangten 55mm Abstand zum Sensor einhalten. Der Reducer ist auch sehr solide gebaut und die mitgelieferten Adapterringe sind auch für diesen verwendbar.
In der nativen Brennweite von 882mm kann man Equipment, Zubehör und Kameras mit Anschlussmaßen von 63mm, 54mm und 48mm ansetzen – für diese Dimensionen sind die passenden Adapter vorhanden und werden auch mitgeliefert.
Ich konnte völlig problemlos für die native Brennweite meinen ZWO CAA Rotator, das QHY 7x2“ Filterrad und die QHY600M mit Montageschwalbenschwanz - alles 54mm Anschlussmaß, anbringen und war damit perfekt im Fokus.
Und damit zu den optischen Ergebnissen – keine Teststerne, einfach echte Sterne. Vollformat mit der QHY600M – 61MPx, 3,76y Pixelgröße – wie gut war das unkorrigierte Sternenbild?
Es war sehr gut – in dem Mittenbereich nadelscharfe Sterne, und in den Ecken – die Sterne waren nach wie vor praktisch rund. Eine geringe Restaberration in Blau war bei sehr starker Nachvergrößerung zu erkennen, aber bei 100% in Mono als ganz leicht unscharfer Saum.
Und bei der QHY600C – also eine OSC Kamera – gleiches Ergebnis, die geringe Restaberration in Blau war als schwacher blauer Saum an der Innenseite von Sternen bei 100+% Vergrößerung zu erkennen. Aber die Sterne waren rund und gut definiert. Keine über den Begriff vernachlässigbar hinausgehende Verzeichnung.
Zweiter Versuch mit dem 0,8x Reducer – wie gesagt: Er ist bis APS korrigiert, nicht für Vollformat! Aber ich wollte sehen, wie er bei Vollformat aussieht. Und ja, es gibt schon ein Bild bis zum Bildrand, aber ab einem Format das deutlich größer als APS ist, gibt es helle Reflexionsringe und die Bildqualität nimmt sichtbar ab. Helle Sterne bekommen die typischen Korrektionsprobleme – Astigmatismus und Koma werden gut sichtbar und die Farbkorrektur ist sichtbar geringer. Kann man dennoch etwas daraus machen – also mit dem BlurXterminator bei einer mittleren Einstellung bekommt man das noch irdendwie hin, aber es ist nicht mehr sehr empfehlenswert. Wahrscheinlich noch verwendbar, wenn man großflächige Nebel aufnimmt und die Sterne stark zurücknimmt, aber sonst nur mit den erwähnten deutlichen Einschränkungen. War ja auch nicht zu erwarten, die Optik ist in dieser Konfiguration eben bis APS korrigiert – und das macht sie sehr, wirklich sehr gut – makellose Sterne bis in alle Ecken.
In Summe ist das TSAPO126PHQ ein sehr empfehlenswertes Teleskop – es ist noch so handlich, dass man es als mobiles Gerät verwenden kann und liefert hervorragend gute Ergebnisse im Rahmen dessen, wofür es konstruiert und gerechnet wurde.
Vollformat mit der QHY600 C

Hier die vier Ecken dieses Bildes - Vollformat, gestackt, keine weiteren Bearbeitungen, nur mit autocrop in PI die Ränder sauber geschnitten




Wie man sehen kann, sind die Sterne zwar rund, aber es gibt leicht sichtbare chromatische Restfehler, erkennbar an den kleinen bläulichen, einseitigen Säumen bei den Sternen. Diese gehen komplett weg, wenn man den BlurXterminator von PixInsight in der Funktion - correct only verwendet. Dabei werden die Sterngrößen nicht verändert, es werden nur die Farbsäume der Sternbilder zusammengeführt. Danach sehen die vier Ecken des Bildes so aus:




Wie vorher erwähnt, gibt es einen für diesen APO gerechneten Reducer, der die Brennweite auf 705mm verringert und die Lichtstärke auf 1:5,6 erhöht - der ist aber für APS gerechnet und er ist wirklich nur bis APS (etwas mehr geht auch noch gut) verwendbar. Das APS Format ist hier in einer Vollformataufnahme - mit Reducer, also mit den nicht mehr wirklich sinnvoll verwendbaren Außenbereichen, eingeblendet. Man kann gut sehen, dass außerhalb des APS Formats bald ein Bereich beginnt, wo es Reflexionen und deutlich sichtbare Bildqualitätverluste gibt. Aber innerhalb des APS Formats ist die Bildqualität sehr gut.

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