ToupTek AE676 OSC Kamera


Die neueste Astrofotografiekamera von Touptek ist eine OSC Kamera mit der Bezeichnung SE676C. Sie verwendet den Sony Sensor IMX676, eine relativ kleinen, quadratischen Sensor mit 7,1x7,1mm Sensorformat. Die Pixeldimension ist sehr klein - es sind quadratische Pixel mit 2 Mikron Seitenlänge. Es sind also 3536x3536 Pixel auf dem Sensor aktiv (12,5MPx)

AE676C with and without magnetic cooling fan module

Was macht dieses Kamera interessant - erstens ist sie im nahen IR sehr empfindlich, man kann also mit einem entsprechenden IR Filter sehr gut im nahen IR aufnehmen. Damit das geht, ist das Fenster der Kamera ein vergütetes Glas, das gut IR durchlässig ist. Das ist für bestimmte Planeten interessant, aber auch bei deep-space gibt es attraktive IR Targets. Zweitens ist sie sehr kompakt und leicht, sie passt daher auch auf diejenigen Teleskope, die entweder nur eine sehr kleine runde Kamera vertragen oder nur eine recht leichte Kamera. Beispiele sind etwa der 6" RASA oder auch von Skywatcher der mini-Astrograph HAC125DX.

​Ein weiterer interessanter Aspekt ist die abnehmbare Zusatzkühlung - nein, es ist keine zweistufige Peltierkühlung wie bei den üblichen gekühlten Astrokameras, es ist ein Ventillator, der die kleine, eingebaute einstufige Peltierkühlung etwas verbessert. Ich habe es bei 24Grad Nachttemperatur im laufenden Betrieb ausprobiert - die Kühlung mit dem magnetisch anbringbaren Zusatz schaffte 8 Grad Sensortemperatur, also etwa 15-16 Grad unter der Umgebungstemperatur. Das ist nicht berauschend viel, hilft aber deutlich bei der Reduzierung des thermischen Rauschens der Kamera. Ohne dem Zusatzmodul der Kühlung arbeitet die Kamera 100% vibrationsfrei, was für Aufnahmen bei langen Brennweiten interessant ist. Aber auch die Zusatzkühlung, die man zwar akustisch leicht wahrnimmt, erzeugt keine registrierbaren Vibrationen.

​Die Auslesung erfolgt über drei wählbare Modi - einmal den normalen low-gain Modus für hellere Objekte, dann den high-gain Modus für lichtschwache Objekte und dann noch den interessanten 16 bit HDR Modus für Objekte, die durch einen hohen Kontrastumfang und feine Details gekennzeichnet sind. 

Für Planetenaufnahmen gut geeignet, denn sie schafft bei 8bit immerhin noch über 30fps bei vollem Bildformat.

​Die spektrale Empfindlichkeit ist stark IR orientiert, mit einem Maximum bei 825nm und einer QE von etwa 83%. Die farbliche Ausgewogenheit ist gut, es sind mir bei Probeaufnahmen keine Bereiche besonders niedriger Farbempfindlichkeit aufgefallen.

​Die Anschlüsse der Kamera - sie wird mit einem vormontierten CS Gewinde auf einem abschraubbaren Gewindering geliefert, Diese Ring war bei meiner Kamera so stark angeschraubt, dass ist zwei 2,5mm Schrauben in die zwei seitlichen Blindgewindelöcher einschrauben musste um durch diese dann eine bessere Hebelwirkung zu bekommen und den Ring abschrauben zu können. 

Der für mich interessante Anschluss erfolgt wie bei ZWO über den 11mm langen T2 Adapterring und so ergibt sich, genau wie bei ZWO, eine BFD von 17,5mm - sehr praktisch, weil direkt mit anderen Kameras parfokal austauschbar. 

In der Packung sind noch ein Fisheyeobjektiv, ein passender Anschlussring und ein 825LP IR Filter sowie ein USB3 Kabel vorhanden.

Mich interessiert die Kamera primär für deep-space Aufnahmen - zwei Optionen erscheinen möglich. Einmal wegen der kleinen Pixel die Verwendung bei sehr kleinen Brennweiten und dann für lange Brennweiten und sehr kleinem Bildfeld. 

Ich konnte die zweite Option in einer kurzen sternlosen Zeit ausprobieren - es war mir möglich, 1 Stunde Integrationszeit für NGC6543 zu erreichen. Die Kamera war auf meinem 12"RC Truss montiert. Das Ergebnis war für mich überraschend positiv - entwickelt in SetiAstroSuite Pro, PixInsight und Photoshop - es war durchaus ansehbar. Natürlich mit Darks und Biases, auf Flats habe ich bei diesem winzigen Bildfeld verzichtet.

Bei einer so kurzen Integrationszeit kann man nicht erwarten, viel zu sehen, aber immerhin, das Bild ist doch erstaunlich gut und vor allem sehr rauscharm.


Bei nächster Gelegenheit werde ich dann die Kamera bei sehr kurzer Brennweite des Teleskops testen...wenn die Wolken wieder weg sind und es eine klare Nacht gibt.