Syqon Parallax – BlurXterminator


 

BlurXterminator ist seit langer Zeit das wahrscheinlich beste Werkzeug um Restaberrationen, Abbildungsfehler und ähnlich störende Verschlechterungen von Sternbildern zu korrigieren. Überdies kann man mit diesem in PixInsight integrierten Prozess auch die nicht-sternartigen Details gut und reproduzierbar nachschärfen. Also alles in allem ein sehr universell einsetzbarer Prozess, um zu einem sehr guten finalen Ergebnis zu kommen.
 Nun gibt es seit kurzer Zeit aber eine innovativ tätige Gruppe von engagierten IT Spezialisten, die unter dem Namen Syqon einige innovative Applikationen für Astrofotografen programmiert haben.

Das jüngste Programm ist Parallax. Was ist es – nun es kann Sterne korrigieren, verkleinern, Details schärfen – bedeutet das aber, dass es ein Konkurrent von BlurXterminator sein soll oder sein möchte?
 Ja und nein – auf ersten Blick erscheint Parallax ein direkter Konkurrent von BXT (BlurXterminator) zu sein, ist es aber ganz sicher nicht. PLX (Parallax) arbeitet komplett anders und will auch anders sein.
 Um das besser verstehen zu können, muss man die Vorgangsweise von BXT erkennen: Sterne werden durch einen ausgeklügelten Dekonvolutionsmechanismus verkleinert, sie werden als nicht nur im Durchmesser kleiner, sie werden auch „schärfer“, der Bereich des Lichtabfalls vom Zentrum zum Rand eines Sternes hin wird einstellbar verringert. Dabei wird aber die Helligkeit des Zentralbereichs erhöht – in Abhängigkeit von der Ausgangshelligkeit oft so stark, dass dann der Zentralbereich ein gesättigtes Helligkeitsplateau ist. Mit anderen Worten, das Zentrum ist „ausgebrannt“, einfach nur weiß. 
 Ist der Zentralbereich eines Sterns wenig belichtet, also eher dunkler, so hilft dieser Vorgang natürlich dabei, diesen Bereich besser sichtbar zu machen – das Zentrum ist nach wie vor nicht gesättigt und die Farbe des Sterns bleibt erhalten.

Parallax geht einen anderen Weg – die Verkleinerung eines Sterndurchmessers erfolgt durch Reduktion des Durchmessers des gesamten Sterns ohne dass das Zentrum in dessen Helligkeit angehoben wird. Die Helligkeit im Zentrum bleibt so, wie sie es vor der Anwendung von PLX gewesen ist – bei korrekter Ausgangsbelichtung also ohne die maximale Helligkeit erreicht zu haben. Der Helligkeitsabfall vom Zentrum zum Rand hin wird gleichmäßig nach innen, zum Zentrum hin, verkleinert, also steiler und im Durchmesser daher auch geringer. Das Erscheinungsbild eines Sterns wird nicht verändert, nur verkleinert. Dadurch bleiben bei allen Sternen die Relationen der Zentren zueinander erhalten – es entstehen keine „gunshot holes“, wie es meistens bei BXT zu sehen ist.

Um das zu verdeutlichen, hier ein paar Vergleiche - Screenshots, die ich in PixInsight erstellt habe. Zuerst einmal ein kleiner Ausschnitt eines Stacks nachdem ich den BXT  angewandt habe:


Und hier der gleiche Ausschnitt nach der Anwendung von PLX:

Die Unterschiede sind sehr subtil, aber man kann sie bei genauem Hinsehen gut erkennen


Ich habe geschrieben, BXT erzeugt meistens "gunshot holes" - also kleine, scharfe Sterne, aber deren Zentren sind ausgebrannt - das kann man hier an diesen Vergleichsbildern gut sehen:

Das linke Bild ist mit BXT behandelt, das rechte mit PLX - beide sind noch im linearen Zustand, aber man sieht, dass die Sternzentren links bereits ausgebrannt sind - weiße Löcher. Unterschiedlich dazu sind die Sternzentren rechts - trotz PLX, nach wie vor in der ursprünglichen Helligkeit erhalten geblieben.


Natürlich ist es eine Frage, was man erreichen möchte – kleinste, sehr scharfe Sterne mit überbelichteten kleinen Zentren oder subjektiv betrachtet, etwas weniger scharf erscheinende Sterne, die aber ihr natürliches Erscheinungsbild erhalten haben.

Mir erscheint es aber auch wichtig, zu betonen, dass es kein „besser“ oder „schlechter“ gibt, es ist ein „anders“, wenn man die beiden Prozesse vergleicht.

In den beiden Vergleichen hier sieht man deutlich - BXT´s Sterne sind sehr klein, scharkantig und das Zentrum ist komplett ausgebrannt, wohingegen die PLX  Sterne weicher, nicht so scharfkantig aber nicht ausgebrannt sind.  Auch macht das PLX  Bild als gesamtes Bild einen deutlich weicheren Eindruck.
Ich habe natürlich versucht, die möglichst ähnlichen Einstellungen in Bezug auf Sternverkleinerung und Schärfung einzustellen - soweit es eben bei zwei so unterschiedlichen Modellen möglich ist.


Ich habe auch bereits gesehen, dass es sehr vorteilhaft sein kann, beide Prozesse zu kombinieren. Ein Beispiel wäre ein sehr kleiner Nebel, der ein helles Zentrum hat, diese aber von einem weniger hellen ringförmigen Nebelbereich umgeben ist. PLX allein schafft es nicht, den zentralen Bereich scharf genug von dem auch enganliegenden Nebelbereich abzutrennen. Wendet man aber PLX zuerst an, so wird der gesamte Bereich gestrafft und dann mit BXT wird der relativ dunkle Zentralbereich nicht nur deutlich heller, sondern auch gut vom umgebenden Nebelbereich abgetrennt und damit klar erkennbar.


Ja nach Art des Bildes kann es auch sinnvoll sein, die übliche Reihung von – zuerst Dekonvolution, dann Entrauschung bei den Syqon Modulen einfach umzudrehen – ich habe bei einigen Targets feinere Ergebnisse erhalten, wenn ich zuerst Prism Deep und dann PLX angewendet habe – einfach ausprobieren!

Die Funktion der Schärfung zeigt auch Unterschiede – für mich erscheint die Schärfung durch PLX feine Details zu zeigen als die von BXT – dort erscheint es mir, dass feine Details eher etwas verwaschen werden, aber vielleicht ist das auch unterschiedlich, je nach Target.

Hier ein Vergleich, der zeigt, was ich meine - die feinen Details des noch schwach sichtbaren Nebelbereichs sind bei dem Syqon Modul schon erkennbar feiner gezeichnet - links BXT, rechts Syqon PLX:


Ganz sicher ist es, dass beide Module, beide Prozesse ihre Vor- und Nachteile haben und beide haben Eigenschaften, die je nach dem vorliegenden Bild mehr oder weniger gut zur Geltung kommen werden. Es gilt daher, wie so oft bei Prozessmodulen - einfach ausprobieren und das verwenden, was für genau dieses Target besser erscheint. 
Will man knackscharfe kleine Sterne und eine doch etwas stärkeren Kontrast, der oft auf Kosten feinster Details geht, so ist man mit dem BlurXterminator gut bedient. Wenn man aber etwas weichere Kontraste, weichere Sterne mit deutlich besser erhaltenen Kernfarben und feinere Details schwacher Strukturen bevorzugt, so ist der Syqon Parallax Modul die richtige Wahl.


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